Ortsteil der Stadt Lübtheen

Jessenitz

Durch Markieren der einzelnen Ortsteile am Randbereich der interaktiven Karte können Sie Lübtheen virtuell zusammensetzen.

Anzahl der Einwohner 161
Besonderes saniertes Schloss in Familienbesitz


Die Ortsteile Jessenitz, Jessenitz-Werk und Jessenitz-Siedling liegen südlich bzw. südwestlich von Lübtheen.

Der Name Jessenitz ist wendischen Ursprungs, übersetzt in die deutsche Sprache - der Eschenort. Die urkundliche Ersterwähnung fällt in die Mitte des 16. Jahrhunderts (um 1559). Karl Puls, ein von der Lank stammender Heimatforscher des 20. Jahrhunderts, berichtet in seiner Chronik von jessenitz, das es ein Rundlingsdorf war. Vermutlich wurde das Wendendorf im Zuge der germanischen Kalonisationsbestrebungen zerstört. Die Feldmark diente den Dörfern Lübtheen, Trebs und Volrzade als Weide. Das später an Stelle der alten Dorfstatt errichtete Jessenitz war lange eine Pertinenz (Nebengut) des Gutes Volzrade

1744 war Gotthard Wilhelm von Pentz der Herr von Jessenitz. Mit dem Ende des 18. Hanrhunderts beginnt eine Zeit des ständigen Wechsels der Gutsbesitzer. 1855 wird Ernst Meyer Eigentümer von Jessenitz. Er gab 1881 den Auftrag zur Erkundung der Salzlagerstätten. Zwei Jahre später traf man ab 270 m Tiefe auf Kali und Steinsalzschichten. 1885 verkaufte Meyer das Gut Jessenitz an den Hamburger Unternehmer Charles Bessler und 1886 wurde die "Schachtbaugesellschaft Jessenitz zu Schwerin" gegründet. Zwischen Jessenitz und Trebs begann man mit dem Schachtbau. Die nachfoglend erbauten Bergarbeiterwohnhäuser und Direktorenvillen sowie der Bahnhof trugen den Namen Bergwerk Jessenitz - heute Jessenitz-Werk.

Durch viele Schwierigkeiten in der Bauphase konnte der Schachtbau erst 1900 beendet werden. Die feierliche Namensgebung durch den Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg fand im Oktober 1900 statt. Das erste Kalibergwerk in Mecklenburg erhielt den Namen "Herzog-Regent-Schacht". Weltweit war der Schacht Jessenitz auch das erste Kali- und Steinsalzbergwerk, das im Gefrierschachtverfahren abgeteuft wurde. Der sich als sehr schwierig erweisende Schachtbau dauerte 15 Jahre. Das Auftreten von geringen Mengen an Laugenzuflüssen bemerkte man schon im Jahr 1902 und in den Folgejahren immer wieder. Nach elf Jahren Betriebszeit verstärkte sich der Laugenzufluss am 24. Juni 1912 derart, dass das genze Bergwerk inenrhalb von wenigen Stunden ersoff.

Charles Bessler, einer der Pioniere des Kalibergbaus in Mecklenburg, erlebte die Fertigstellung seines Unternehmens nicht mehr, er verstarb 1897. Im Jahr 1890 hatte er in Jessenitz ein neues Herrenhaus im Stil der Neorenaissance erbauen lassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden die Ställe und Wirtschaftsgebäude des Gutes. Eine Wohnsiedlung - die KfL-Siedlung entstand. Diese Wohnhäuser wurden für die Mitarbeiter der in Jessenitz angesiedelten Außenstelle des Kreisbetriebes für Landtechnik errichtet. Heute ist hier die Firma Impreglon Engineering GmbH ansässig.

Die Verwaltung und einige Ställe der LPG Tierproduktion Jessenitz befanden sich zur DDR-Zeit im Ort. Der Verein Jessenitzer Aus- und Weiterbildung e.V. (gegründet im Jahr 1990) bietet ein breites Spektrum an Angeboten als Bildungseinrichtung, Berufsorientierung für Schüler, Jugendwohngruppen, Tourismuszentrum "Biber Jesse Tours" und mit der Kindertagesstätte ""Wichtelwelt".